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Stickstoffüberschuss der landwirtschaftlich genutzten Fläche (Flächenbilanz)

in Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr
Stand: 06.01.2026

Der Trend der letzten 10 Jahre ist fallend.

Bilanziert man die durch Wirtschafts- und Mineraldünger eingesetzte Stickstoffmenge mit der Nährstoffabfuhr durch die Ernte, ergibt sich über die letzten zehn Jahre ein fallender Stickstoffüberschuss der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Im Jahr 2023 wurde der bisher niedrigste Stickstoffüberschuss berechnet, dieser lag bei 54 Kilogramm pro Hektar. Das Ziel der Landesregierung, den Stickstoffüberschuss bis 2030 auf maximal 60 Kilogramm pro Hektar und Jahr zu reduzieren, wurde damit erstmals erreicht. Ursächlich hierfür waren in erster Linie der geringere Mineraldüngereinsatz, ein Abbau der Tierbestände sowie eine Verschärfung der Düngeverordnung.

  • Hintergrund und Bedeutung

    Stickstoff ist essenziell für das Wachstum und die Entwicklung von Pflanzen und wird in der Landwirtschaft zumeist in Form von Mineraldünger oder Wirtschaftsdünger wie bspw. Gülle, Mist oder Gärreste auf die Felder ausgebracht. Überschüssiger Stickstoff, der nicht von den Pflanzen aufgenommen wird, kann Umwelt und Natur und somit wichtige Lebensgüter des Menschen schädigen. Die Reduzierung des Stickstoff-Überschusses auf der Fläche steht daher im Fokus der Landespolitik Nordrhein-Westfalens.

    Hintergrund / Bedeutung - Stickstoff-Flächenbilanz

    Durch die Auswaschung aus den Böden gelangt Stickstoff in Form von Nitrat ins Grundwasser. In Oberflächengewässern, Meeren und Landökosystemen trägt Stickstoff zu deren Eutrophierung bei. Prinzipiell werden durch eine Überdüngung alle Arten, die sich auf nährstoffarme Standorte an Land und im Wasser spezialisiert haben, verdrängt. Zudem droht durch zu hohe Stickstoffeinträge eine Versauerung von Böden durch Ammoniak, Ammonium und Stickstoffoxide. Aus gedüngten Böden freigesetzter Stickstoff in Form von Lachgas reichert sich in der Atmosphäre an und verstärkt den Klimawandel. Der Indikator liefert eine Grundlage zur Abschätzung der Folgen und zur Ableitung von politischem Handlungsbedarf und Maßnahmen in der Landwirtschaft. So dürfen zum Beispiel laut Düngeverordnung maximal 170 kg Stickstoff pro Hektar und Jahr mit organischen Düngemitteln ausgebracht und der für jeden Schlag individuell nach rechtlich vorgegebener Methodik ermittelte Düngebedarf nicht überschritten werden. Trotz Erfolgen in den letzten Jahren besteht weiterhin Potenzial, die Stickstoffüberschüsse zu reduzieren.

  • Ziele

    Ziele - Stickstoff-Flächenbilanz

    Landesziele:

    • Senkung des durchschnittlichen Stickstoffüberschusses auf 60 kg N/ha bis 2030 (Nachhaltigkeitsstrategie NRW)
  • Entwicklung und Interpretation

    Entwicklung und Interpretation - Stickstoff-Flächenbilanz

    Die Entwicklung der Stickstoff-Flächenbilanz in NRW ist von einem schwankenden Verlauf geprägt. Dabei ergab sich in jedem Jahr seit Beginn der Bilanzierung ein Stickstoffüberschuss auf der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Das gleitende 3-Jahres-Mittel der Jahre 2021 bis 2023 lag bei 63 kg N/ha. Im Jahr 2023 wurde der bisher niedrigste Wert von 54 kg N/ha errechnet und somit das Landesziel, den Stickstoffüberschuss auf 60 kg/ha zu begrenzen, erreicht. Gründe hierfür sind vielfältig: Insbesondere sind die Absatzmengen von N-Mineraldünger in Deutschland und damit auch die Mineraldüngung stark zurückgegangen (Preisanstieg ca. 30 % im Gegensatz zu 2015). Experten gehen aber davon aus, dass hier zukünftig kein weiterer Rückgang zu erwarten ist. Ebenso führen hohe Erträge im Pflanzenbau zu einer hohen N-Abfuhr von den Flächen und somit zu einem geringeren N-Überschuss. Gleichzeitig wird durch den deutlichen Rückgang der Tierbestände weniger Wirtschaftsdünger eingesetzt; auch sorgt die zunehmend effiziente überbetriebliche Verwertung von Wirtschaftsdüngern für eine bessere Verteilung zwischen Ackerbau- und Viehhaltungsregionen. Aber auch Verschärfungen der Düngeverordnung sind für den Rückgang des Stickstoffüberschusses relevant. Nach wie vor sind jedoch gerade in den Regionen mit hohen Tierbeständen sehr hohe N-Überschüsse zu verzeichnen.

  • Methodik und Definition

    Methodik und Definition - Stickstoff-Flächenbilanz

    Der Indikator zeigt die jährliche Bilanz aus Stickstoffzufuhren und -abfuhren bezogen auf die landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) für NRW in Kilogramm Stickstoff pro Hektar (kg N/ha LF). Bei der Berechnung werden auch gasförmige Stickstoffverluste bei der Ausbringung berücksichtigt. Humus-Abbau und -Aufbau fließen nicht in die Bilanzierung ein, da diese regional sehr unterschiedlich sind. Die Stickstoffzufuhr aus Mineraldüngern wird auf Basis von Statistiken auf Ebene der Bundesländer nach einem festgelegten Verfahren geschätzt. Die Auswertung erfolgt für alle Bundesländer durch die Universität Gießen auf Basis der Agrarstatistik. Die Methodik ist in den UBA-Texten 131/2019 beschrieben.

  • Datenquellen

    Datenquellen, Berechnung und Einheit - Stickstoff-Flächenbilanz

    • Universität Gießen
  • Berichtspflichten / Rechtsgrundlagen

  • Stärken des Indikators

  • Schwächen des Indikators

  • Mögliche Weiterentwicklung

Natur, Ländliche Räume

Datentabelle - Stickstoff-Flächenbilanz

  1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023
Stickstoff-Flächenbilanz 106,4 101,8 92,5 94,3 105,1 106,8 94,9 100,4 117,2 84,9 89,3 93,8 84,1 92,1 75,4 87,7 98,5 91,5 98,6 83,1 111,6 103,5 94,8 111,9 85,7 82,9 65,5 69,3 53,9
Gleitendes Mittel über 3 Jahre   100,2 96,2 97,3 102,1 102,3 100,7 104,2 100,8 97,1 89,3 89,1 90,0 83,9 85,1 87,2 92,6 96,2 91,1 97,8 99,4 103,3 103,4 97,5 93,5 78,0 72,6 62,9